Engel ohne Flügel

In der heutigen Zeit, in der hauptsächlich negativen Schlagzeilen verbreitet werden, ist es umso wichtiger, sich vor Augen zu führen, dass es viele gute Menschen gibt.

 

Irgendwo habe ich gelesen; Nimm ein grosses Glas und stecke jedesmal einen Zettel hinein, wenn dir etwas gutes geschieht, dann siehst du am Ende des Jahres, wie toll es war.

Schöne Idee!

 

Wir sind leider so gestrickt, dass uns eher die schlechten Erfahrungen in Erinnerung bleiben.

Von Familie und Freunden abgesehen, waren es bei mir oft sogar wildfremde Leute, die mir Freude bereiteten.

 

So war ich zum Beispiel vor Jahren mit meinen beiden, damals noch kleinen Kindern, in Zürich am Bahnhof und kramte mühsam Kleingeld zusammen für das Tram-Ticket.

Ein junger Bursche mit Baseball-Cap und Rucksack drängelte sich vor und fragte wo wir denn hin wollen.

Ich verriet ihm unser Ziel, kurzerhand drückte er die richtigen Tasten und warf aus seiner Geldbörse die passenden Münzen ein.

Er überreichte mir die Fahrscheine mit einem Lächeln, wünschte uns einen schönen Tag und ging seines Weges.

 

Einmal hatte ich mich (auch wieder in Zürich, liegt mir nicht so diese Stadt) verfahren und fragte einen Taxifahrer nach dem Weg. Erst versuchte er mir zu erklären, welche Strassen links, geradeaus, dann rechts und wieder links, rechts und bei der Abzweigung geradeaus ich nehmen müsse. Mein verzweifelter Gesichtsausdruck brachte ihn zum schweigen und er schlug mir vor, ihm einfach hinterher zu fahren. 

Am Ziel winkte er mir kurz zu, Daumen hoch und fuhr davon.

 

In Basel, wir wohnten fast zehn Jahre in dieser wunderbaren Stadt, war es wieder ein Taxifahrer, der mir einen schönen Moment bescherte.

Die Kinder waren am Wochenende weg und ich ging meinem Hobby nach, dem Tanzen.

Im Madmax in Basel lief immer tolle Musik, es waren nette Leute dort und mein Fitness-Programm war, jedes zweite Wochenende Freitags von 22.00- 03.00 durchzutanzen.

Am Feierabend spazierte ich dann jeweils eine halbe Stunde nach Hause.

Einmal fing es auf halbem Weg wie aus dem nichts an in Strömen zu regnen.

Ein Taxifahrer hielt neben mir an und fragte, ob ich einsteigen wolle.

Ich entgegnete, ich hätte kein Geld dabei.

Da bat er mich trotzdem einzusteigen und fuhr mich heim.

 

Dies nur einige Beispiele, ich könnte noch mehr davon erzählen.

 

Mich freut es auch, wenn mir bei einem Spaziergang junge Frauen und Männer begegnen, die freundlich grüssen, wie ich es letztens mit meiner Freundin erlebt habe.

Die heutige Jugend ist gar nicht so, wie die meisten denken.

 

Oder eine Bekannte, die ich erst das zweite Mal live sah, mir ein T-Shirt schenkte, weil ich es so toll fand. <3

 

Ich habe noch kein Glas mit Zetteln, nur in meinem Kopf sind die Erinnerungen gespeichert und ich denke mit Freude daran.

 

Wer gutes tut, einfach, weil es sich gut anfühlt und nicht um Ruhm, Ehre und Dankbarkeit zu ernten, der ist in meinen Augen ein wahrhaftiger Engel ohne Flügel.

 

 

Bild von: fotosearch.com

 

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