Jeder ist jemand!

Meine Ausbildung machte ich in einem Betrieb der Stadt in der ich wohne.

Ich wurde angehalten die Kunden möglichst beim Namen zu nennen.

Für mich, mit einem Namensgedächtnis wie ein Löchersieb, eine echte Herausforderung.

Wenn mir  in einer Gruppe von zehn mir unbekannten Leuten der erste beim Händeschütteln seinen Namen verraten hat, habe ich den schon beim dritten vergessen.

Schlimm, ich weiss, ist nun aber leider so.

Wir hatten Kunden, die Geschäftsleute waren, in der Politik tätig, oder einfach gut situierte.

Da ich alle Menschen gern habe, verhielt ich mich auch jedem Kunden gegenüber genau gleich respektvoll, nett und hilfsbereit.

Von meiner damaligen Lehrmeisterin wurde ich des öfteren zurecht gewiesen, dass der oder die, JEMAND (Öpper)  ist und ich mich speziell nett zu verhalten hätte.

Es kam sogar vor, dass Herr oder Frau sowieso sich über mich beschwerten, weil mir einfach um Gottes Willen ihre Namen nicht einfallen wollten.

Ich habe das nie so richtig verstanden, denn für mich ist jeder jemand!

 

Es gibt Politiker, die werden als Volksvertreter in unserem schönen Land von den Bürgern gewählt und ihre Aufgabe würde darin bestehen  die Anliegen des Volkes zu vertreten.

Leider ist es oft so, dass, wenn eben diese Damen oder Herren, dann gewählt sind, sie sich als JEMAND  fühlen und sich abgehoben verhalten.

Sie wollen zum Beispiel bei öffentlichen  Anlässen in abgesperrten Bereichen ihren Sekt und ihre Häppchen im kleinen Kreis geniessen, damit man ja sieht, dass sie etwas besonderes sind.

Die ursprüngliche Idee, dass sie Diener des Volkes sind, ist nach den Wahlversprechen meist schnell verflogen.

Ich finde das sehr schade und war schon oft kurz davor, dem einen oder anderen zu erläutern, dass er oder sie meine Stimme sicher nicht noch einmal bekommen wird.

Die besten Politiker finde ich, sind die, die wirklich etwas bewirken wollen, sich einsetzen und auch mal anecken und nicht die, die einfach einen Titel möchten um dann JEMAND zu sein.

 

Am schlimmsten finde ich es, wenn sich mir einer vorstellt, mit Rang, Namen und Funktion (Insider ) oder einer ständig erwähnen muss, welche Position er hat oder hatte und so subtil, oder eben eher offensichtlich, um Anerkennung buhlt.

Anstatt respektvolles Kopfnicken, kommt da bei mir eher ein leises Lächeln zum Vorschein.

Etwas anderes ist es, wenn nachgefragt wird, dann ist es für mich in Ordnung und es kommt auch nicht so arrogant rüber.

Ehre wem Ehre gebührt.

 

Die Kinder, die nur über ihre Schulnoten von ihren Eltern definiert werden, bekommen schon früh zu spüren, dass nur gut ist, wer etwas vorzuweisen hat. So traurig.

 

Eine komische Erfahrung ist auch, wenn Leute, die einem jahrelang nicht mit dem Allerwertesten beachtet haben, plötzlich schon von weitem winken oder ober-freundlich grüssen, weil sie das Gefühl haben, dass man jetzt auch JEMAND ist, da ein Familienmitglied ab und zu in der Zeitung kommt.

Oder noch schlimmer, diejenigen, die jetzt glauben, dass man JEMAND ist und sich abwenden, nicht mehr einladen oder nicht mal mehr grüssen, obwohl man sich gar nicht verändert hat. 

 

In manchen Familien wird geprotzt mit Titeln, der hat Abitur, der studiert, sie ist Geschäftsführerin und so weiter und so fort ...

Was ist mit all den armen Leuten, wenn sie pensioniert werden?

Sind sie dann NIEMAND mehr?

Oder einer verliert Hab und Gut, ist er dann NIEMAND mehr?

Jobverlust, Arbeitslos, sozialer Abstieg ... sind die alle NIEMAND?

 

Falsch! Jeder ist jemand.

 

Bild von: geocaching.com

 

 

 

 

 

 

 

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